Heidewasser GmbH stellt sich gegen die geplante Deponie Jüdenberg

Heidewasser GmbH vs. geplante Deponie Jüdenberg:

Neues Gutachten soll Notwendigkeit der Erweiterung der Schutzzone untermauern

- Trinkwasserversorger Heidewasser kämpft im Schulterschluss mit Wasserverband, Bürgermeister und Bürgerinitiative weiter gegen die Lagerung von Müll auf der Tonhalde Jüdenberg

- Neue technische Erkenntnisse im Gutachten sollen Wasserschutzbehörde zur Ausweitung der Schutzzonen bewegen

„Als Trinkwasserversorger sind wir es nicht nur unseren Kunden schuldig, sondern verpflichtet, nachhaltig für unbelastetes Trinkwasser zu sorgen. Dazu gehört es, das Schutzgebiet, das unsere Brunnen umgibt, vor potenziellen Gefahren einer Verunreinigung zu bewahren. Diesen Anspruch werden wir mit einem neuen Gutachten untermauern.“ Das kündigte Claudia Neumann, Geschäftsführerin der Heidewasser GmbH, angesichts der Ablehnung des Landkreises Wittenberg bzgl. der Erweiterung des Schutzgebietes an.

Rückendeckung erhält sie dafür von der Verbandsversammlung des WZV Oranienbaum-Wörlitz-Vockerode, für den die Heidewasser GmbH die Aufgabenerledigung der Trinkwasserversorgung durchführt, von der Bürgerinitiative „Sauberes Jüdenberg“ sowie von Maik Strömer (CDU), der Bürgermeister Oranienbaums. In der Kommune befindet sich das Wasserwerk, von dem aus die Heidewasser GmbH die Region mit Trinkwasser versorgt.

Das Unternehmen stellt sich gegen die geplante Deponie Jüdenberg, da sich das unterirdische Einzugsgebiet der Trinkwasserbrunnen mit den geplanten Mülllager-Flächen überschneidet*. „Wir werden nun ein weiteres Gutachten in Auftrag geben. Aus diesem soll eindeutig hervorgehen, dass die Schutzgebiete neu angepasst werden müssen. Rechtlich steht es einem Wasserversorger nicht zu, eine Neuordnung der Schutzgebiete zu fordern – dies kann nur die Behörde selbst anordnen. Hier wollen wir mit neuen Erkenntnissen Überzeugungsarbeit leisten“, erklärt Claudia Neumann die Strategie.

Das Gutachten soll u.a. auch die bisherigen Pegelstandorte auf ihre Eignung prüfen. „Wir wollen unser Prüfverfahren erweitern. Dazu sollen die vorhandenen und gegenwärtig beprobten Pegel im Einzugsgebiet neu bewertet werden: Benötigen wir weitere Pegel? Können wir die Menge und Qualität der Messergebnisse erhöhen?“ Dies soll als Grundlage für künftige Entscheidungen zu Brunnenstandorten dienen.

Das Argument des Landkreises Wittenberg, die Heidewasser GmbH sei plötzlich nicht mehr mit dem 2007 festgelegten Grenzen des Schutzgebietes einverstanden, greift für die Geschäftsführerin nicht: „In die Schutzzone wurden seinerzeit nur Flurstücke aufgenommen, die in Gänze hineinragen. Die Deponie soll aber nun auf Flurstücken entstehen, unter denen – eben nur – teilweise die Strombahnlinien des Grundwassers laufen. Damals war von einer Müllhalde noch keine Rede. Deshalb gab es auch nichts gegen die Entscheidung zu sagen.“

Das Gutachten zielt demzufolge auch darauf ab, die Entwicklungen seit der letzten Begutachtung abzubilden und darüber hinaus die Auswirkungen einer Deponie auf die Qualität des Grundwassers vorausschauend zu prüfen.

Ansprechpartner bei der Heidewasser GmbH:

Claudia Neumann, Geschäftsführerin Tel. 0391 – 28968126

Mail: c.neumann@heidewasser.de

* Zur Definition der Schutzzone werden die „30-Jahre-Isochronen“ ermittelt. Diese Isochronen stellen Strombahnlinien gleicher Fließzeiten des Grundwassers im Untergrund dar. Die fachlich berechneten Strombahnlinien reichen weit in den geplanten Deponiekörper hinein.

Die Heidewasser GmbH: Als kommunales Unternehmen versorgt die Heidewasser GmbH rund. 101.000 Einwohner auf 2.300 km³ mit Trinkwasser und stellt für knapp 45.000 Einwohner die umweltgerechte Behandlung ihres Abwassers nach aktuellen Standards sicher

 

 

 

·         Grundwasserspeicher des Wasserwerkes Oranienbaum speist sich aus dem Gebiet unterhalb der Tonhalde

·         Trinkwasserqualität bedroht

In unmittelbarer Nähe zur Schutzzone des Wasserwerkes Oranienbaum plant der Betreiber der Tonhalde Jüdenberg die Errichtung einer Deponie. „Wir lehnen dieses Vorhaben ab“, erklärt Claudia Neumann, Geschäftsführerin der Heidewasser GmbH. Ihre Bedenken zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität hat sie daher sehr deutlich gegenüber der zuständigen Behörde geäußert. „Das Betreiben einer solchen Deponie stellt eine reale Gefahrenquelle für die Trinkwasserressource dar.“

Die Heidewasser GmbH stellt für den WZV Oranienbaum-Wörlitz-Vockerode die Trinkwasserversorgung in Oranienbaum, Wörlitz und Vockerode sowie in den zugehörigen Ortsteilen sicher. Hierzu betreibt das Wasserwerk Oranienbaum. Zum Schutz des Grundwasserspeichers wurden um das Wasserwerk vom Land Sachsen-Anhalt Schutzzonen eingerichtet. Das Ausmaß z. B. landwirtschaftlicher Nutzung ist in diesen Zonen unterschiedlich stark eingeschränkt, um den Grundwasserspeicher von weitreichenden Beeinträchtigungen zu schützen.

„Die geplante Deponie grenzt an die äußerste Trinkwasserschutzzone III b an, die das gesamte unterirdische Einzugsgebiet umfasst“, erläutert Claudia Neumann den Hintergrund ihrer Entscheidung. Da die Schutzzone in Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde nur oberirdisch anhand von Flurstücken und topografischen Merkmalen festgesetzt wurde, beauftragte die Heidewasser GmbH ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines so genannten Hydroisohypsenplans. „Auf diese Weise haben wir auch das unterirdische Einzugsgebiet präzise definiert.“

Für die Schutzzone wurden dabei die „30-Jahre-Isochronen“ ermittelt. Diese Isochronen stellen Strombahnlinien gleicher Fließzeiten des Grundwassers im Untergrund dar. „Mithilfe dieser Analyse wissen wir: Die Trinkwasserschutzzone III b endet nicht an der Grundstücksgrenze der Deponie. Die fachlich berechneten Strombahnlinien reichen weit in den geplanten Deponiekörper hinein. Wir positionieren uns daher zum Schutz des Grundwasserspeichers ganz klar gegen die Lagerung von Müll auf der Tonhalde Jüdenberg“, erklärt Claudia Neumann.

Hintergrund: Nach Abfallverzeichnisverordnung können in Deponien dieser Klasse Stoffe wie metallische Verarbeitungsreste, Baureste (bspw. Keramiken, Dämmmaterial, Ziegel) oder Böhrschlämme deponiert werden. Das Land Sachsen-Anhalt hält derzeit allerdings den Bestand an Deponien für ausreichend. Die von der GP Papenburg Entsorgung Ost GmbH geplante Anlage soll 30 Jahre betrieben werden und rund 4,4 Mio. t Abfälle fassen auf einer Fläche von rund 15 ha.

Als kommunales Unternehmen versorgt die Heidewasser GmbH rund. Einwohner auf 2.300 km³ mit Trinkwasser und stellt für knapp 45.000 Einwohner die umweltgerechte Behandlung ihres Abwassers nach aktuellen Standards sicher. 1993 als Wassergesellschaft börde-Westfläming mbH gegründet, firmiert die Heidewasser GmbH seit 2007 unter heutigem Namen.